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Berufsperspektiven von Soziolog*innen - Erkenntnisse unserer Studierenden

Ergebnisse aus dem Wintersemester 2020/21

Im Seminar zum Thema „Wohin mit Soziologie? Berufsperspektiven erforschen!“ gehen Studierende der Soziologie in jedem Wintersemester der wichtigen und zugleich spannenden Frage nach, was sich alles mit einem abgeschlossenen Soziologiestudium beruflich anfangen lässt. Lesen Sie hier die Zusammenfassungen der informativen Erkennntisse.

Die Beiträge wurden erstellt von  Alina Köster, Denise Schimanski, Finnja Lindemann, Iman Nur Abou-Chlaih, Jessica Roolfing, John Philipp Zinnow, Stina Wilhelm und Teresa Zecca. 

Das Seminar wurde geleitet von Greta-Marleen Storath.


Viel Freude beim Lesen!

Übrigens: die Zusammenfassung der Ergebnisse aus allen bisherigen Semestern finden Sie im Download-Bereich.


Soziologie und Marktforschung: Eine Umfrage zu Zukunftsplänen von Soziologie-Studierenden und Marktforscher*innen

von Alina Köster

Wenn man konkret nach Stellenanzeigen oder Praktikumsbeschreibungen für Soziolog*innen sucht, begegnet sie einem überall: die Marktforschung. Auch Katrin Späte identifiziert in ihrem Buch „Beruf: Soziologie?! Studieren für die Praxis“ (2007) Marktforschung und Statistik als einen der großen Bereiche für Absolvent*innen eines Soziologie-Studiums. Durch meine Ausbildung zur Markt- und Sozialforscherin ist mir die Branche mehr oder weniger bekannt und tatsächlich: nicht wenige meiner Kolleg*innen und Klassenkamerad*innen hatten bereits ein Soziologie-Studium begonnen oder sogar abgeschlossen. Doch die wenigsten von ihnen hatten gezielt eine Stelle in der Marktforschung angestrebt - für viele hat sich eine Karriere dort eher ergeben. Die Vielzahl an Angeboten für Praktika oder studentische Mitarbeiter*innen in diesem Bereich hat zu den ersten Jobs nach dem Studium geführt. Jedoch stellen sich einige Fragen: Was haben diese „zufälligen Marktforscher*innen“ für Pläne in der Zukunft? Wollen sie in der Branche bleiben? Gibt es Soziologie-Studierende, die ganz gezielt in die Marktforschung wollen oder sind andere Bereiche interessanter für sie?

Zwecks Beantwortung dieser Fragen habe ich eine Online-Umfrage erstellt. Der Link wurde via WhatsApp-Gruppen an die Erst- und Drittsemester sowie über eine Lehrveranstaltung an höhere Semester weitergeleitet. Des Weiteren ging der Link an einige Kontakte, die ich aus meiner Zeit in der Marktforschung hatte. Insgesamt haben 71 Studierende und 8 Marktforscher*innen teilgenommen. Die berufstätigen Teilnehmer*innen scheinen keinen Wechsel in eine andere Branche geplant zu haben. Sie haben auch weniger konkrete Ziele, sondern vor allem „Zusatzqualifikationen“ (50.0% der Nennungen der Frage nach näherer und langfristiger Zukunftsplanung der Marktforscher*innen) wie dem Erlernen von verschiedenen Tools und Software oder bei der Digitalisierung up-to-date bleiben. „Arbeitsbedingungen“ machten weitere 25,0% der Nennungen aus. Hier wurde – neben Arbeit, die Raum für ein Privatleben lässt - lediglich erwähnt, dass das Gehalt ausreichen sollte. Weitere 25,0% der Nennungen bezogen sich darauf, dass „keine konkreten Pläne“ vorliegen. Die Befragten erklärten das damit, dass sie entweder schon alles erreicht hätten, was sie wollten oder damit, dass sie eher private als berufliche Ziele und Wünsche haben.

Mehrere Teilnehmer*innen aus der Marktforschung gaben an, mindestens in einem Studium Soziologie absolviert zu haben. Obwohl ein Soziologie-Abschluss also eine gute Basis für den Einstieg in die Branche schafft, scheint Marktforschung bei den derzeitigen Studierenden weniger beliebt zu sein. Kein*e einzige*r der studentischen Teilnehmer*innen erwähnte die Marktforschung in seinen*ihren Zukunftsplänen.

Auf die Frage nach näheren und langfristigen Zukunftsplänen machte die Kategorie „Branchen und Themenbereiche“ 18,4% der studentischen Nennungen aus. Diese Nennungen enthielten vor allem Soziale Arbeit oder Sozialpädagogik, Stadt- und Regionalplanung sowie Marketing/ PR/ Werbung. Weniger häufig wurden Politik, Personalwesen, Gesundheit, Entwicklungsarbeit, Kriminologie, allgemein Forschung sowie Lehre aufgeführt.

Die Kategorie „Abschlüsse“ vereinigte 33,0% der Gesamtnennungen auf sich: die Studierenden scheinen weitere akademische Abschlüsse geplant zu haben. Insbesondere der Master wurde hier häufig genannt, aber auch Promotion wurde mehrfach erwähnt.

Die dritte große Kategorie bilden die „spezifischen Studiengänge“ mit 12,8% der Gesamtnennungen. Besonders am Kriminologie-Master scheint großes Interesse zu bestehen; die Hälfte der Nennungen, die sich auf Studiengänge beziehen, erwähnten den Kriminologie-Master. Weitere häufigere Angaben waren Internationale Zusammenarbeit bzw. Beziehungen und (Sozial-)Pädagogik. Vereinzelt wurden zudem Politikwissenschaften, Soziale Arbeit, Philosophie, Gesundheitswissenschaften sowie Erziehungswissenschaften aufgeführt.

Zwar scheint die Marktforschung kein Favorit zu sein, jedoch wird deutlich, dass die beruflichen und akademischen Interessengebiete der Soziologie-Studierenden große Vielfalt aufweisen. Die Marktforscher*innen scheinen keine größeren Umbrüche in ihren Karrieren geplant zu haben. Ihre Prioritäten liegen im fortlaufenden Lernen und Work-Life-Balance.


Allgemeine Berufsperspektiven: Interview mit der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven

von Denise Schimanski

Vermutlich kennt jede*r Soziologiestudent*in den Moment, indem gefragt wird, was Soziologie eigentlich ist und inwieweit einem dieser Studiengang in seinem weiteren Berufsleben weiterbringt. Die Antworten auf diese Frage sind nicht immer klar definiert und können variieren. Im Rahmen des Blockseminars „Wohin mit Soziologie? Berufsperspektiven erforschen!“ bekommen Soziologiestudent*innen einen Einblick, wie der berufliche Werdegang als Soziolog*in aussehen kann.

Infolgedessen habe ich meinen Fokus auf den Bachelor of Arts in Soziologie gelegt. Ich wollte herausfinden, wie die beruflichen Chancen aussehen, wenn der Bachelor of Arts in Soziologie allein als Sprungbrett ins Berufsleben dienen soll. Denn nach vielen unterschiedlichen Gesprächen, welche ich mit anderen Kommiliton*innen führte, stellte sich heraus, dass ein Masterabschluss für viele gar nicht in Frage kam. Infolgedessen entstand die Forschungsfrage für diese Arbeit: „Inwiefern reicht ein Bachelor of Arts in Soziologie aus, um in der Berufswelt ein festes Standbein zu erlangen?“ Um dieser Frage nachgehen zu können, setzte ich mich mit der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven in Verbindung. Nach mehreren Versuchen Kontakt mit dieser aufzunehmen (mehrere Emails und Telefonate), war der*die Leiter*in des Geschäftsstellenverbundes Bremerhaven, Vegesack und Osterholz-Scharmbeck, welche*r anonym bleibt, bereit, mir ein telefonisches Interview zu geben. Allerdings erhielt ich keine konkreten Informationen bezüglich meines Fragenkatalogs und ich wurde auf unterschiedliche Statistiken und Internetseiten der Bundesagentur für Arbeit verwiesen.

Gründe dafür sind laut dem*der Leiter*in unzureichende Daten, da man mit Soziologie unterschiedliche Berufe ausüben kann, welche nach Berufsgruppen und nicht nach Abschluss klassifiziert werden. Demnach zählt der Beruf Soziolog*in zur Berufsgruppe Geisteswissenschaftler*in und beschreibt darin Berufe, welche die Aufgaben in den Bereichen Philosophie, Religion, Geschichtswissenschaften, Archäologie, Medien-, Theater-, Regionalwissenschaft sowie Anthropologie und Ethnologie übernehmen. Dies führte dazu, dass ich meinen Fokus auf die Geisteswissenschaftler*innen legen musste, um meiner Forschungsfrage weiter auf den Grund gehen zu können. Unter diesem Gesichtspunkt (Geisteswissenschaftler*in) sahen die Chancen mit einem Bachelorabschluss in Soziologie in die Berufswelt einzusteigen vielversprechend aus. Laut einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit aus dem Jahr 2013 studierten ca. 82 % mit einem Universitätsbachelor weiter. Eine andere Studie aus demselben Jahr belegt zudem, dass ca. 68 % der Geisteswissenschaftler*innen eineinhalb Jahre nach ihrem Bachelorabschluss eine adäquate Tätigkeit ausübten. Außerdem wies der*die Leiter*in darauf hin, dass kaum arbeitslose Soziolog*innen gemeldet sind. Dies ist ein Indikator dafür, dass Bachelorabsolvent*innen der Soziologie i.d.R. beschäftigt sind, ganz gleich welcher Beruf ausgeübt wird.

Schlussendlich lässt sich sagen, dass die allgemeinen Berufsperspektiven für Bachelorabsolvent*innen der Soziologie positiv sind. Man kann davon ausgehen ein festes Standbein in der Berufswelt mit einem Bachelor of Arts in Soziologie zu erlangen.



Das Arbeitsfeld der Gesundheitssoziologie

von Finnja Lindemann

In meinem kleinen Forschungsvorhaben habe ich mir das Ziel gesetzt das Berufsfeld der Gesundheitssoziologie genauer zu beleuchten und einen Überblick zu geben.

Die Gesundheitssoziologie ist eine Teildisziplin der Soziologie und gehört vor allem zu den interdisziplinären Gesundheitswissenschaften. Der hauptsächliche Arbeitsschwerpunkt von Gesundheitssoziolog*innen ist die Analyse der sozialen, kulturellen, ökonomischen und ökologischen Einflüsse auf Gesundheit und Krankheit.

Für einen genaueren Einblick in das Berufsfeld habe ich bei meiner Forschung ein Expert*inneninterview mit Frau Beate Heitzhausen (Leiterin des Praxisbüros des FB11) geführt. Sie beschäftigt sich mit dem Berufsfeld der interdisziplinären Gesundheitswissenschaften und hilft den Studierenden unter anderem bei dem Einstieg in das Berufsleben. Zuerst befragte ich sie bezüglich typischer Arbeitsbereiche von Gesundheitswissenschaftler*innen. Wichtig ist hierbei zu sagen, dass sich die Ergebnisse allgemein auf die Gesundheitswissenschaften beziehen. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Arbeitsfeldern in den Gesundheitswissenschaften, in denen auch Soziolog*innen tätig sind, beispielsweise die Sozialepidemiologie. Dabei geht es um die Analyse und den Zusammenhang von sozialen Lagen und dem Gesundheitszustand. Ein weiteres Arbeitsfeld ist die Gesundheitssystemforschung, genauer die Versorgungsforschung oder auch Gesundheitsberichterstattung. Unter anderem erstellen Soziolog*innen mit einem gesundheitlichen Schwerpunkt/Gesundheitswissenschaftler*innen die Gesundheitsberichterstattung und dienen als Berater*innen für politische Entscheidungen. Der Wissenschaftsjournalismus ist ebenfalls ein beliebtes Arbeitsfeld für Soziolog*innen, da es sich um den Journalismus mit Schwerpunkt der Gesundheit dreht, aber auch um Öffentlichkeitsarbeit beispielsweise in Krankenhäusern.

Es gibt noch eine Reihe
weiterer Arbeitsfelder:

  • Management und Gesundheitsökonomie
  • Arbeitsmedizin
  • Epidemiologie
  • Gesundheitsförderung und Prävention
  • Gesundheitsbildung/ – pädagogik
  • Umwelt und Gesundheit
  • Pflege
  • Gesundheitsrecht
  • Gesundheitspolitik
  • Rehabilitation

Da es bei den Arbeitsfeldern immer einen gesundheitlichen Schwerpunkt gibt und der Einstieg mit einem reinen Soziologiestudium erschwert sein könnte, gibt es die Möglichkeit sich im Master in dem Bereich Gesundheit zu spezialisieren. Beispielsweise mit dem Master „Public Health – Gesundheitsförderung & Prävention“ oder „Gesundheitsversorgung, -ökonomie und -management“, welche jeweils mit einem Soziologie Bachelorabschluss angestrebt werden können. Im Hinblick auf die benötigten Kompetenzen im gesundheitswissenschaftlichen Bereich konnte Frau Heitzhausen mir drei Kernbereiche nennen. Der erste Bereich sind die grundlegenden Kernkompetenzen (systematische Recherche, Problemverständnis, etc.). Der zweite Bereich sind die Methodenkompetenzen, bei welchen es sich um das Verständnis im Bereich Epidemiologie, Studientypologie oder auch Qualitätsmanagement handelt. Der dritte Bereich bezieht sich konkret auf die Kenntnisse im Gesundheitssystem (Hauptakteure, Finanzierungsoptionen, etc.). Die benötigten Kompetenzen hängen dabei natürlich vom jeweiligen Arbeitsfeld ab, in welchem man beruflich tätig sein möchte. Ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass es im gesundheitswissenschaftlichen bzw. gesundheitssoziologischen Bereich vielfältige und interessante Berufsmöglichkeiten gibt. Zu empfehlen ist jedoch, sich schon während des Studiums in die Richtung Gesundheit zu orientieren. Ich bin mir sicher, dass dadurch einem Berufseinstieg in das gesundheitswissenschaftliche/-soziologische Arbeitsfeld nichts mehr im Wege steht. (Für weitere Informationen: https://www.uni-bremen.de/fb11)



Berufsperspektiven im Bereich der Schulsozialarbeit – erlernte vs. geforderte Qualifikationen

von Iman Nur Abou-Chlai

Die Berufsperspektiven von Soziolog*innen können in vielfältige Richtungen gehen. Neben den klassischen Berufen gibt es eine Mehrzahl an Tätigkeiten, welche man zu Beginn eventuell nicht mit dem Bereich der Soziologie in Verbindung setzen würde. Deshalb ist es wichtig, bei Stellenangeboten zwischen den Zeilen zu lesen. Um meine folgende Untersuchungsfrage enger einzugrenzen, wende ich mich dem Berufsfeld der Schulsozialarbeit zu. Demnach bewegte sich mein Forschungsinteresse entlang der Leitfrage „Welche Kompetenzen erfüllt der Studiengang ‚Soziologie‘ hinsichtlich des Berufsfeldes der Schulsozialarbeit?“ Um diese Frage methodisch umzusetzen, plante ich zu Beginn eine Befragung während meines Praktikumsaufenthaltes in einer Grundschule. Dabei sollten die dort tätigen Schulsozialarbeiter*innen in einem offenen, strukturierten Interview über ihren Werdegang berichten. Leider musste das Praktikum aufgrund der Covid-19 Pandemie abgebrochen werden, weshalb ich nur einzelne Gesprächsinformationen habe. Zusammenfassend ist zu erkennen, dass sich die Berufswege der drei befragten Schulsozialarbeiter*innen deutlich unterscheiden. Zwei von ihnen absolvierten einen Studienabschluss im Bereich der Soziologie sowie der Sozialen Arbeit. Die dritte Person hingegen weist keinen universitären Abschluss auf, sondern zeichnet sich durch jahrelange Berufserfahrung im Kinder- und Jugendheim aus. Alle drei Befragten haben jahrelange Berufserfahrung, wodurch die Annahme naheliegt, dass diese für den Berufseinstieg entscheidend ist. Ferner recherchierte ich im nächsten Schritt in diversen Stellenangebotsportalen nach den geforderten Qualifikationen. Vor allem die Internetseite LinkedIn und StepStone werden häufig von Jobsuchenden verwendet. Dabei untersuchte ich vor allem zwei Stellenanzeigen an unterschiedlichen Zielorten. Beide fordern eine langjährige Berufserfahrung im Bereich der Schulsozialarbeit. Dabei wird zweitrangig der Abschluss im Bereich der Sozialpädagogik und Sozialarbeit verlangt. In beiden Stellenanzeigen wurde „ein gleichgestellter Abschluss“ akzeptiert, wodurch sich schließen lässt, dass eine Chance für Soziolog*innen auf jeden Fall besteht. Außerdem wurden unterschiedliche persönliche Qualifikationen gewünscht. Hierzu zählen ein sicheres Auftreten, das Interesse am Umgang mit den verschiedensten Menschen, eine selbständige und eigenverantwortliche Arbeitsweise, sowie Kommunikations- und Teamfähigkeit. Daraufhin habe ich, auf Grundlage von literaturwissenschaftlichen Quellen und eigenen Erfahrungen, die erlernten Qualifikationen aus dem Soziologie-Studium aufgelistet. Die folgende Gegenüberstellung visualisiert den Vergleich von geforderten und erlernten Qualifikationen sehr deutlich:

Gefordert (von Schulsozialarbeit) Erlernt (von Soziolog*innen)
Unterstützung/Betreuung von Schüler*innen Vernetzung aller Beteiligten Teamfähigkeit
Konfliktlösung Analyse und Reflexion, sowie Diskussion und Argumentation gesell. Zusammenhänge
Förderung/Vertiefung sozialer Kompetenzen
Selbstständige Projekte
Organisation (log.) Zielorientierung Selbstdisziplin
Verwaltungstechnische Aufgaben Sprachlicher und schriftlicher Ausdruck



schriftlicher Ausdruck Schlussfolgernd haben Absolvent*innen eines Soziologie Bachelors wohlmöglich eine Chance, in das Berufsfeld der „Schulsozialarbeit“ einzutreten. Dabei ist zu beachten, dass die Stellenangebote nicht direkt nach „Soziolog*innen“ suchen. Es ist wichtig, zwischen den Zeilen zu lesen und das Überschneiden der Qualifikationen zu erkennen und bei Bewerbungen anzugeben. Verallgemeinert erhöhen Praxiserfahrungen die Chancen, in die Berufswelt einzutreten.



Soziologische Theorien in der Praxis

Eine Literaturrecherche von Jessica Rohlfing


Die Tätigkeitsfelder für Soziolog*innen im späteren Beruf sind vielfältig und erfordern verschiedene Kompetenzen. Daher stellte sich mir im Zuge des Seminars „Wohin mit Soziologie? Berufsperspektiven erforschen!“ die Frage, welche konkreten soziologischen Theorien, die während des Studiums gelehrt werden, im späteren Beruf Anwendung finden. Als Grundlage meiner Untersuchung dient das Handbuch „Sozialwissenschaftliche Berufsfelder – Modelle zur Unterstützung beruflicher Orientierungsprozesse“, welches 2016 von Breger, Späte und Wiesemann herausgegeben wurde. In diesem Handbuch werden mögliche Berufsfelder in Anwendungsorientiere Forschung, Interessensvertretung, Journalismus, Wissenschaft/Bildung, Management/Beratung sowie in Kommunale Verwaltung unterteilt. Diese sechs verschiedenen Felder habe ich anschließend mit dem Schwerpunkt auf erforderliche Kompetenzen und angewandte soziologische Theorien genauer untersucht.

Ergebnis der Untersuchung ist, dass in allen Berufsfeldern folgende Kompetenzen erfordert werden:
  • Soziologisches Denken,
  • Analysefähigkeit,
  • kritisches Denken
  • Methodische Kenntnisse/ Umgang mit Statistik
Soft Skills:
  • Eigenständigkeit,
  • Präsentationsfähigkeit,
  • Recherchefähigkeit

Zudem werden diese soziologischen Theorien direkt in den Berufsfeldern angewendet:

  • Handlungstheorien
  • Organisationstheorien
  • Sozialisationstheorien
  • Gesellschaftstheorien

Wichtig zu erwähnen ist, dass die Anwendung der Theorien, direkt und indirekt geschieht. Gemeint ist hiermit, dass teilweise direkt auf Theorien zurückgegriffen wird aber auch durch theoretisches Vorwissen Lösungen und Handlungsansätze gefunden werden. Es kommt somit zu einer Verschmelzung von Theorie und Praxis. Deshalb ist in der praktischen Anwendung auch nicht zwischen erlernten Kompetenzen und soziologischen Theorien zu unterscheiden. Methodische Kenntnisse in den Sozialwissenschaften entspringen ursprünglichen theoretischen Überlegungen. Die im Studium erlernten Theorien prägen das Denken von Soziolog*innen und daraus entstehen die oftmals geforderten Kompetenzen. Festzuhalten ist also, dass es viele Theorien gibt, die im späteren Beruf auch direkte Anwendung finden, jedoch prägen sie auch die Denkweise der Student*innen und daraus ergeben sich die geforderten Kompetenzen für Soziolog*innen im Beruf.


Zufriedenheit im Medienbereich

von John Philipp Zinnow

Da das Studienfach Soziologie nicht konkret auf einen bestimmten Berufsweg vorbereitet, kann das Seminar „Wohin mit Soziologie“ sehr hilfreich sein, wenn Student*innen noch unsicher sind, was sie mit ihrem Studium anfangen wollen. Im Seminar wird die Chance gegeben, zu einem selbst ausgewählten Thema in der Berufswelt von Soziolog*innen zu forschen.

Ich habe über die Zufriedenheit von Soziolog*innen, die im Medienbereich tätig sind, geforscht. Nach einer längeren Unsicherheit, wie ich die Forschung umsetzen möchte, habe ich mich dafür entschieden, Interviews zu führen. Als ich beim Zentrum für Studium und Praxis der Universität Bremen nachgefragt habe, wurde mir der Kontakt einer Soziologieabsolventin gegeben, welche im Medienbereich arbeitet. Beim Interview erzählte sie mir, dass sie freiberufliche Comiczeichnerin ist. Auch wenn dieser Beruf erstmal den Eindruck vermittelt, sehr wenig mit Soziologie zu tun zu haben, war es interessant zu erfahren, inwiefern die Soziologie selbst bei einem solch künstlerischen und kreativen Beruf hilfreich sein kann. Das zweite Interview führte ich mit einem Soziologieabsolventen, der bei einem Institut für Gesundheit arbeitet, wo er im Medienbereich tätig ist. Meine Fragen hingen alle mit der Arbeitszufriedenheit zusammen, weshalb ich mich auf Kriterien wie Arbeitsklima, Erfolg, Gehalt und Work-Life Balance fokussierte, da diese die Zufriedenheit im Beruf erheblich beeinflussen.

Ich erhielt in beiden Interviews interessante Einblicke in den Berufsweg und die eigene Einschätzung der Zufriedenheit in ihren Berufen. Die Antworten, die ich erhielt, haben mir gezeigt, dass Arbeitszufriedenheit durch verschiedene Wege erreicht werden kann und etwas sehr Subjektives ist. Insgesamt reichen die gewonnenen Informationen aus den Interviews natürlich nicht aus, um eine verallgemeinernde Aussage über die Zufriedenheit treffen zu können. Trotzdem habe ich sowohl durch meine eigene Präsentation als auch durch die Präsentationen der anderen Studierenden im Seminar sehr wertvolle Einblicke in die Berufswelt von Soziolog*innen bekommen, wodurch neue Ideen und Möglichkeiten erweckt werden konnten.

Insgesamt kann gesagt werden, dass uns Studierenden in diesem Seminar ein wenig die Angst vor dem Berufseinstieg genommen wurde. Die Präsentationen zeigten uns, wie breit gefächert die Berufswelt von Soziolog*innen ist und dass die Aussichten sogar recht gut sein können, wenn man sich auf ein Gebiet spezialisiert.



Berufsfeld Forschung Lehre: ein Interview

von Stina Wilhelm

Innerhalb des Seminars „Wohin mit Soziologie? Berufsperspektiven erforschen!“ wurde den Studierenden die Möglichkeit geboten, anhand eigener Forschungsideen die Berufsperspektiven von Soziolog*innen zu erforschen. Dank der freigestellten Themenauswahl war es mir möglich, mit Hilfe eines halb-offenen, leitfadengestützten Interviews das Berufsfeld der Forschung und Lehre genauer auszuleuchten und den Weg dorthin zu ergründen.

Das durchgeführte Interview mit einer Mitarbeiterin des soziologischen Bereiches der Universität Bremen strukturiert sich dabei in fünf Themenbereiche: Arbeit an der Universität, berufliche und akademische Laufbahn, Verhältnis Forschung und Lehre, Voraussetzungen und Kompetenzen, Berufseinstieg und Berufschancen, welche jedoch eng beieinander liegen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Möglichkeiten und Wege, in das Berufsfeld Forschung und Lehre einzusteigen sehr vielfältig sein können. Besonders Kontakte und Vorerfahrungen, wie Stellen als studentische Hilfskraft und Praktika, scheinen sehr hilfreich für einen gradlinigen Übergang in die Berufswelt. Ein grundlegendes Interesse für wissenschaftliches Arbeiten, wie man es als Soziologie-Studierende*r lernt, ist Voraussetzung für die wissenschaftliche Arbeit an Universitäten und sollte einem Spaß machen.

Das Verhältnis der zwei Bereiche „Forschen“ und „Lehren“ lässt sich als ambivalent beschreiben. Zwar fordern beide Bereiche ihre eigene Aufmerksamkeit ein, bedingen sich jedoch auch gegenseitig und haben starken Einfluss aufeinander.

Schlüsselkompetenzen, welche man im Studium erlernt, wie analytischen Denken und Organisationsfähigkeit sind hilfreiche Kompetenzen in diesem Berufsfeld und die im Studium erlernten Inhalte finden Anwendung.

Das qualitative Interview hat die Möglichkeit eröffnet verschiedene Bereiche und Fragen auszuleuchten und dabei viel Raum für ausführliche Antworten zu lassen. Biografische Hintergründe zur Person, sowie Kontexte und Zusammenhänge konnten so in der Auswertung berücksichtigt werden. Diese halboffene Methode bietet dementsprechend viel Raum für Interpretationen, erschwert es allerdings eine „ultimative Wahrheit“ auszuformulieren. Zusammenfassend hat das halb-offene Interview aber auf jeden Fall sein Ziel des Erkenntnisgewinnes erfüllt und ich habe viel dazu gelernt. Das Seminar bietet tolle Einblicke in verschiedene Berufsfelder und das Erforschen dieser war sehr inspirierend!


Chancen in der Medienbranche

von Teresa Zecca

Innerhalb des Seminars “Wohin mit Soziologie? Berufsperspektiven erforschen!” haben wir uns zum einen mit den Fähigkeiten beschäftigt, die innerhalb des Soziologiestudiums erworben werden, zum anderen aber auch damit, welche Berufe uns selbst interessieren. Dabei ist mir aufgefallen, wie viele Student*innen Soziologie in Kombination mit einem anderen Fach studieren. Da ich selbst Soziologie in Kombination mit Kommunikations- und Medienwissenschaften studiere, stellte sich für mich die Frage, inwiefern man mit einem Soziologiestudium in der Medienbrache arbeiten kann, einem Bereich, der im ersten Moment nicht so offensichtlich erscheint. Die Relevanz der Frage liegt vor allem darin, dass Onlinemarketing und die Nutzung verschiedenster Medien immer wichtiger wird für Firmen aller Bereiche und sich dieses Berufsfeld somit immer mehr vergrößert.

Aufgrund dieser beiden Punkte wollte ich erst einmal herausfinden, wie viele Soziolog*innen sich überhaupt für den Medienbereich entscheiden. Dafür schaute ich mir die Absolvent*innenbefragungen des Max-Weber-Instituts an, nach der sich rund 27 % der Bachelor- und 25 % der Masterstudent*innen im Medienbereich bewarben. Da sich die Absolvent*innen aber natürlich auch in anderen Bereichen bewarben, sagt dies nur teilweise etwas über ihre Vorlieben aus. In einer Befragung mit Bochumer Absolvent*innen sind schlussendlich 4,4 % innerhalb der Medienbranche tätig geworden, also deutlich weniger. Vergleicht man dies mit den Berufsfeldern des Berufsverbandes deutscher Soziolog*innen sieht man, dass von diesen rund 3,3 % in der Medienbranche arbeiten. In Anbetracht dieser Zahlen wird auffällig, dass nicht wirklich viele Soziolog*innen in diesem Bereich arbeiten und dass das Interesse wohl größer ist als die zur Verfügung stehenden Jobs. Dabei sollte bedacht werden, dass die Berichte, aus denen diese Zahlen stammen schon einige Jahre alt sind und auch nicht die Gesamtheit der Soziolog*innen erfassen.

Diese ersten Ergebnisse haben mir gezeigt, dass der Medienbereich durchaus interessant für Soziolog*innen ist, doch stellte sich mir nun die Frage, welche Berufe es für diese gibt. Um diese Frage zu klären, habe ich mir als erstes die Seite “Mehr als Taxifahren” angeschaut und dabei das Beispiel von Norbert Nötzold gefunden. Dieser hat sich nach seinem Master in Soziologie entschiedenen, sich selbstständig mit seiner Agentur “Kollektiv 13” zu machen. Er berät in seinem Beruf vor allem kleine und mittelständige Unternehmen darin, wie diese sich am besten in den sozialen Medien präsentieren. Dabei geht es ihm vor allem um die Beratung und Erstellung von Beiträgen. Er nutzt dabei seine Kenntnisse über die Sozialstruktur der Bevölkerung.

Auch auf der Seite vom Institut für Soziologie findet man Beispiele von Soziolog*innen in Berufen der Medienbranche.

Als Fazit kann man sagen, dass es Perspektiven für Soziolog*innen in der Medienbranche gibt. Von Vorteil ist es dabei, wenn man schon erste Erfahrungen im Rahmen eines Nebenjobs gesammelt hat und sich im General-Studies-Bereich in dieser Richtung orientiert. So kann auch mit einem Bachelor in Soziologie der Einstieg in die Medienbranche gelingen.

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